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Christoph Werner

Um ewig einst zu leben

Um 1815 zwei Männer, beide Maler - der eine in London, der andere in Dresden; der eine weltoffen, der andere düster melancholisch. Es sind J. M. William Turner und Caspar David Friedrich.

Heidi Kabel

Heidi Kabel

Herbert Kihm

die Hamburger Deern wäre in diesem Jahr 100 Jahre geworden

Sie gehört zu Hamburg wie der Michel, die Reeperbahn und natürlich das Ohnsorg-Theater. Hausfrauen, Schlampen, Hausdrachen oder Mütter - Heidi Kabel schlüpfte in alle Rollen großer Frauengestalten des Volkstheaters und das mit typisch  norddeutscher Geradlinigkeit, Witz und Herz. Heidi Kabel machte das Plattdeutsche in den sechziger Jahren auch im Süden der „alten" Republik salonfähig und schuf damit ein norddeutsches Gegenstück zu den großen Mundart-Bühnen wie dem bayerischen Komödien-Stadl und der "kölschen" Bühne von Willy Millowitsch.

 Ich kann mich noch gut an die Zeit im Saarland erinnern, wo wir im Wohnzimmer vor unserem schwarz-weißen  „Neckermann Weltblick" saßen und ich zum ersten Mal „Livekontakt" mit dem mir  „fremden Norden" bekam, den ich bis dahin verband mit „Pole Poppenspäler" oder dem „Schimmelreiter", die wir im Gymnasium gelesen haben.

Heidi Bertha Auguste Kabel wurde im Haus Große Bleichen Nr. 30 in Hamburg am  27. August 1914, direkt gegenüber dem ehemaligen Sitz des späteren Ohnsorg-Theaters geboren.

Bei einem Vorsprechtermin 1932 erhielt sie von Theatergründer Richard Ohnsorg ihr erstes Engagement in dem Stück „Ralves Carstens". Sie nahm nun Schauspielunterricht und blieb über 66 Jahre auf der Bühne. Ihre Schauspielkarriere umfasst insgesamt 75 Jahre, sie spielte dabei in  über 160 plattdeutschen Stücken. Unvergessen bleiben „Tratsch im Treppenhaus" (mit Henry Vahl) oder „Die Kartenlegerin".

1937 heiratete sie ihren Kollegen Hans Mahler. Der Ehe entstammen drei Kinder; Tochter Heidi Mahler wurde ebenfalls Schauspielerin am Ohnsorg-Theater. 1949 wurde Hans Mahler Leiter des Ohnsorg-Theaters und hatte großen Einfluss auf die Rollen Heidi Kabels.

Heidi Kabel überzeugte nicht nur durch ihr forsches Auftreten auf der Bühne, sondern nahm auch privat kein Blatt vor den Mund. Sie scheute sich nicht, ihre Meinung zu gesellschaftlichen Fragen und Problemen öffentlich zu äußern und nutzte ihre Beliebtheit auch für gute Zwecke. So trat sie im Juli 1993 bei einem Benefiz-Konzert zum 50. Jahrestag des Bombardements auf Hamburg auf. Zu diesem Anlass zeigte sich eine ruhige, nachdenkliche Heidi Kabel, deren Rezitation von Texten Wolfgang Borcherts viel Beifall fand. Außerdem setzte sich die überzeugte Hamburgerin unter anderem für die Hamburger Babyklappe und das Hospiz Hamburg Leuchtfeuer ein.

Am Silvesterabend 1998 nahm die mittlerweile 84-jährige Schauspielerin mit einer Aufführung des Stückes „Mein ehrlicher Tag" im Hamburger Kongresszentrum CCH Abschied von der Bühne, die ihr Leben war.

Grabstein von Hans Mahler und Heidi Kabel auf dem Nienstener Friedhof
Grabstein von Hans Mahler und Heidi Kabel auf dem Nienstener Friedhof

Seit Oktober 2003 lebte sie zurückgezogen in einem Appartment einer Seniorenresidenz in Hamburg-Othmarschen. Zu dem Umzug hatte sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschlossen, weil sie an Altersdemenz litt. Am 15. Juni 2010 starb die Grande Dame des Volkstheaters im Alter von 95 Jahren in ihrer Heimatstadt. Zur bewegenden Trauerfeier versammelten sich die Familienangehörige, zahlreiche Weggefährten, Schauspielerkollegen und zahlreiche andere Gäste im Michel.

Heidi Kabel wurde auf dem Nienstedtener Friedhof in Hamburg neben ihrem Ehemann beigesetzt. Der Grabstein trägt die plattdeutsche Inschrift „To't Leben hört de Dood" („Zum Leben gehört der Tod").
Am 4. September 2011 wurde auf dem Hachmannplatz das Heidi-Kabel-Denkmal, eine von der Künstlerin Inka Uzoma geschaffene lebensgroße Bronzefigur, mit einem Festakt eingeweiht. Gleichzeitig wurde ein Teil des Platzes vor der neuen Spielstätte des Ohnsorg-Theaters in Heidi-Kabel-Platz umbenannt, womit das Ohnsorg-Theater nun die Adresse Heidi-Kabel-Platz 1 hat.

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Bildquellen:

1.Heidi Kabel Denkmal von Inka Uzoma, wikipedia creative commons, michael_hamburg69, CC-BY-SA-2.0

2.Grabstein von Hans Mahler und Heidi Kabel auf dem Nienstener Friedhof
wikipedia creative commons, Udo Grimberg, CC-BY-SA-3.0