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Flechtwerk
Lebendige Nachbarschaft und Integration

so heißt die erste Ausgabe unserer neuen Zeitschrift

FLECHTWERK - Lebebendige Nachbarschaft und Integration

Die Deutschen sind ofener geworden und haben gleichzeitig mehr Sinn für Heimat, Familie und Nachbarschaft entwickelt. Es müssen neue Wege gesucht werden, um Ausgrenzung und Anonymität zu verhindern.

Friedrich Gottlieb Klopstock

Friedrich Gottlieb Klopstock

Hans Bader

Die heilige Dichtkunst

„Nun sollte aber die Zeit kommen", schrieb Goethe im 10. Buch von „Dichtung und Wahrheit", „wo das Dichtergenie sich selbst gewahr würde, sich seine eignen Verhältnisse selbst schüfe und den Grund zu einer unabhängigen Würde zu legen verstünde. Alles traf in Klopstock zusammen, um eine solche Epoche zu begründen."

Friedrich Gottlieb Klopstock wurde am 02. Juli 1924 in Quedlinburg geboren. Hier begann er seine Schulzeit am Gymnasium. Schließlich lernte er in Schulpforta, der protestantischen Internatsschule; klassische Sprachen (Lateinisch, Griechisch, Hebräisch), die Bibel, Musik und die antike Dichtkunst formten sein Wissen. Aber schon in seiner Abschiedsrede, die er in Schulpforta hielt und die der Epik von Homer bis in Klopstocks Gegenwart gewidmet war, gab er insgesamt sein großes Ziel vor: ein deutsches Nationalepos zu verfassen. Bereits in der folgenden Leipziger Studienzeit ging er an sein monumentales Werk, an den „Messias", der poetisch gestalteten Leidens- und Triumphgeschichte von Jesus. Eigentlich wollte er sein Vorhaben erst abschließen, bevor er es zur Veröffentlichung gab. Doch nachdem die ersten drei Gesänge (20 sollten es später werden) in den „Bremer Beiträgen" 1748 erschienen waren, wurde die Dichtung begeistert begrüßt. Damit begann Klopstocks Ruhm. „Die Würde des Gegenstandes erhöhte dem Dichter das Gefühl eigner Persönlichkeit", schreibt Goethe. Klingt da, ganz verhalten, ein wenig Ironie?

1751 besuchte Klopstock Hamburg. Hier traf er „Meta", Margarete Moller. Beider Liebe war groß und innig. Doch seine „Cidli", wie Margarete von Klopstock in Oden genannt wurde, konnte dieser erst am 10. Juni 1754 heiraten. „Cidlis" Stiefvater war von der noch nicht sicheren finanziellen Lage des zukünftigen Schwiegersohns wenige erbaut. Doch der dänische König versprach eine Erhöhung der Pension. Im Oktober 1754 siedelte das Paar nach Kopenhagen. Nur knapp vier Jahre dauerte ihr Glück, Margarete starb 1758.

1770 zog Friedrich Gottlieb Klopstock wieder nach Hamburg. Der „Messias" wird vollendet, Aufsätze ergänzen ihn. Über 25 Jahre hat Klopstock daran gearbeitet! Arno Schmidt nennt Klopstocks Abiturrede unheilvoll. Die darin geäußerte Absichtserklärung hat Klopstock gewissermaßen zur Lyrik verdammt.

20.000 Zeilen „Messias", außerdem rund 500 Oden! Das sind Bücher, so Schmidt, „die man einfach nicht lesen kann". Schon zu Lebzeiten Klopstocks gibt es Kritik, durchaus nicht nur leise. Der scharfzüngige Georg Christoph Lichtenberg lieferte eine Anekdote über Klopstocks Stil:

Klopstock: „Du, der Du niedriger bist als ich - und dennoch mir gleich - befreie mich von der Last des staubauffangenen Kalbfells!" Während ich einfach sage: „Johann, zieh mir die Stiefel aus!"

Klopstock gab der Würde des Menschen in würdevollen Worten lyrische Gestalt. Die Leidenschaft des Gemüts, die Erhabenheit des Geistes wird in einer Poesie gebracht, die ungewohnt war und neue Wirkung hervorrief. Musikalität der Sprache, Rhythmisierung des Textes - darin war Klopstocks sprachlicher Neuerer.

 

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Literatur:

- Erläuterung zur deutschen Literatur
  Aufklärung
  Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1958

- Klopstocks Werke in einem Band
  Ausgewählt und eingeleitet von Karl-Heinz Hahn
  Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1971

- Goethes poetische Werke
  Vollständige Ausgabe. Achter Band
  Autobiographische Schriften. Erster Teil
  Phaidon Verlag o. J.

- Arno Schmidt
  Vom Grinsen des Weisen
  Ausgewählte Funkessays
  Gustav Kiepenheuer Verlag Leipzig und Weimar 1982