Hamburg-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Hamburg-Lese
Unser Leseangebot

Magisches Lesevergnügen bietet Ingrid Annels Jugendroman, der den Leser auf eine Zeitreise ins Mittelalter führt.

 

Carl von Ossietzky

Carl von Ossietzky

Hans Bader

"Durch alle Niederungen leuchtet die Hoffnung als ewiger Stern"

Als Carl von Ossietzky 1931 als verantwortlicher Redakteur für Artikel in der Weltbühne, die er nicht einmal selbst geschrieben hat, bestraft wird, schreibt Kurt Tucholsky:

„ ... der Junge sitzt für meine große Schnauze mit ..." (Nebenbei: Es sind nicht Tucholskys Artikel, für die Ossietzky belangt wird, sondern ein Beitrag von Walter Kreiser). Und einen Monat nach Carl Ossietzkys Verhaftung und Einlieferung in ein Konzentrationslager - die Nazis sind inzwischen an der Macht - sagt der gleiche Tucholsky in einem Brief: „Dieser ausgezeichnete Stilist, dieser in der Zivilcourage unübertroffene Mann, hat eine merkwürdige lethargische Art ..."

Ist es wirklich Lethargie, was ihn so unglaublich bescheiden erscheinen lässt? Carl von Ossietzky ist ein stiller Mensch, wenn es um ihn selbst geht. Er ist ein Mann, der für seine Überzeugung, für seinen journalistischen Kampf für Frieden und Toleranz mit einer unerschütterlichen Haltung einsteht und sich vor seine Mitarbeiter stellt. Es ist eine selbstverordnete Position, die er nicht aufgibt, die er nicht verlässt, die ihm sein Leben, seine Würde ist.

Carl von Ossietzky hat sich diese seine innere Stärke erobern müssen. Am 03. Oktober 1889 in Hamburg geboren, war er gerade zwei Jahre alt, als sein Vater starb. Seine Mutter, zunächst allein, ist dominant. Carl hat es nicht leicht in der Schule. Mit 18 Jahren wird er Hilfsarbeiter in der Hamburger Justizbehörde. Er möchte Schriftsteller werden, er wird Journalist.

August Bebel lernt er kennen und Bertha Suttner. Ab 1913 schreibt er regelmäßig in der Zeitung „Freies Volk", später für die „Berliner Volkszeitung". Als Armierungssoldat muss er in den I. Weltkrieg, dessen Ende er an der Westfront erlebt. Er wird Redakteur am „Tage-Buch", einer Wochenzeitschrift. Schließlich 1926 Redakteur, dann verantwortlicher Redakteur und 1927 Herausgeber der berühmten „Weltbühne".

Ossietzkys offener Kampf gegen Militarismus und Krieg in der „Weltbühne", der die engen Beziehungen von Militär und Justiz in der Weimarer Republik konkret entlarvt und die Militarisierung Deutschlands nach dem I. Weltkrieg aufdeckt, bringen ihm Geldstrafen und Gefängnis ein. Über die NSDAP schreibt er: „Sie mu&szszlig; also nicht nur einem politischen Bedürfnis, sondern einer speziellen deutschen Gemütslage entsprechen. Ihre Brutalität, Großmäuligkeit und Hirnlosigkeit haben nicht abschreckend, sondern anziehend gewirkt und bedingungslos Gefolgschaft gefunden."

Carl von Ossietzky ist KZ-Häftling Nr. 562, als ihm 1936 der Friedensnobelpreis verliehen wird. Göring will Ossietzky dazu bringen, den Preis abzulehnen. Er bietet dem Häftling eine Monatsrente von 500,- Mark an. Ossietzky lehnt ab. Todkrank wird er in ein Zimmer der Tbc-Station des Krankenhauses Berlin-Nordend verlegt. Dort stirbt Carl von Ossietzky am 04. Mai 1938. Eine Totenfeier wird verboten. In seinem Zimmer hängt ein selbstgeschriebener Spruch:

„Durch alle Niederungen leuchtet die Hoffung als ewiger Stern."

 

**********
Quellen:

- Franz Baumer: Carl von Ossietzky
Reihe: Köpfe des Jahrhunderts
Colloquium - Verlag Berlin 1984

- Diether Krywalski
Knaurs Lexikon der Weltliteratur
Autoren, Werke, Sachbegriffe
Bechtermünz Verlag 1999

- Kurt Tucholsky: Briefe. Auswahl 1913 und 1935
Verlag Volk und Welt Berlin 1983

- Teaserbild: www.wikipedia.de, Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), Bild 183-93516-0010

Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen