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Der Bettnässer

Russi thematisiert in seinem neuen, einfühlsamen Roman die gesellschaftlichen und psychischen Probleme eines Jungen, dessen Leben von Unsicherheit und Angst geprägt ist.

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Fanny Hensel

- die Frau im Schatten des berühmten Bruders

Warum diese musikalisch genial begabte Frau, getauft als

Fanny Cäcilie Mendelsohn Bartholy,

nie aus dem Schatten ihres weltberühmten jüngeren Bruders Felix trat, ist vielleicht aus dem Schreiben ihres Vaters an die Fünfzehnjährige zu erahnen, in dem er schrieb: .. dass Komponieren und Klavierspielen „.. kann nur Zierde, niemals Grundbass deines Tuns sein“( - )“ beharre in dieser Gesinnung, sie ist weiblich, und nur das Weibliche ziert die Frauen.“

Vita:

Fanny Hensel wurde am 14.11.1805 als Tochter von Lea, geb. Salomon und des Bankiers Abraham Mendelsohn in Hamburg geboren. Fanny und ihr jüngerer Bruder Felix waren Enkel des berühmten jüdischen Philosophen Moses Mendelsohn. Jakob Ludwig Salomon Bartholdy, der Bruder der Mutter Lea, war ein bekannter und einflussreicher preußischer Diplomat.

1811 zog die Familie nach Berlin, wo dieFamilie ihre Kinder evangelisch taufen ließ, dabei wurde dem Familiennahmen der Zusatz Bartholdy beigefügt, den die Eltern auch später annahmen.

Im Oktober 1829 heiratete Fanny den Hofmaler an der Akademie der Künste, Wilhelm Hensel, mit dem sie einen Sohn hatte.

Am Nachmittag des 14. Mai 1847 verstarb Fanny plötzlich an den Folgen eines Schlaganfalls. Sie leitete gerade die Probe zu einer ihrer Sonntagsmusiken. Noch am Tag vor ihrem Tod hatte sie zu ihrem Mann gesagt: „ Ich bin so glücklich, wie ich es gar nicht verdiene.“

Felix Mendelsohn Bartholdy starb nur sechs Monate später. Er erholte sich von dem Nervenzusammenbruch, den der Tod seiner Schwester ausgelöst hatte, nicht mehr.

Er wurde an der Seite seiner geliebten Schwester im Familiengrab auf dem DreifaltigkeitsfriedhofI am Halleschen Tor in Berlin-Kreuzberg beigesetzt. Die Grabstätte ist ein Ehrengrab des Landes Berlin.

Einige Anmerkungen zum musikalischer Wirken Fanny Hensels:

Fanny und Felix verband eine innige Geschwisterliebe, obwohl neuere Forschungen nahe legen, dass Felix verhinderte, dass Fanny ihre Begabung öffentlich zeigen konnte.

Die Sonntagskonzerte

Im Jahre 1823 begannen bei der Familie Mendelssohn die sogenannten „Sonntagsmusiken“.

Im sogenannten Gartensaal ihres Anwesens an der Leipziger Straße (aufAnwesen des Stadtpalais, das im Zeiten Weltkrieg zerstört wurde, befindet sichheute der Deutschen Bundesrat) wurden dabei im halböffentlichen Rahmen - die Anzahl der Gäste betrug gelegentlich bis über 300 – Werkvon Bach, Gluck, Beethoven oder zeitgenössischer Meister sowie der Mendelssohn-Geschwister selbst aufgeführt.

Unter den Gästen befanden sich beispielsweise Robert und Clara Schumann, Franz List oder Johanna Kinkel. Nach Beginn der zweijährigen Bildungsreise ihres Bruders 1831 übernahm Fanny Hensel die alleinige Programmgestaltung, Einstudierung, Chor- bzw. Orchesterleitung sowie eigene solistische Teilnahme und Aufführung u.a. ihrer und ihres Bruders Kompositionen. Sie führte dabei beispielsweise auch Christoph Willibald Glucks Oper „Orfeo ed Euridice“ oder das Oratorium „Paulus“ vonihres Bruders Felix Mendelssohn auf, letzteres vor über 300 Gäste

Johanna Kinkel, eine deutsche Komponistin, Musikpädagogin und Schriftstellerin, dazu: (Zitat aus wikipedia):

„Fast alle berühmten Künstler, die Berlin besuchten, erschienen Sonntags einmal mitwirkend oder zuhörend bei Frau Hensel. Auch die Elite der Berliner Gesellschaft suchte dort Zutritt, und die grossen Räume des Hauses waren meist überfüllt. Mehr als die grössten Virtuosen und die schönsten Stimmen, die ich dort hörte, galt mir der Vortrag Fanny Hensels, und ganz besonders die Art, wie sie dirigierte. […] Ein Sforzando ihres kleinen Fingers fuhr uns wie ein elektrischer Schlag durch die Seele und riss uns ganz anders fort ..“

Erst mit 40 Jahren wagte sie es, die zeitbedingten Konventionen zu sprengen und ihre Werke herauszugeben.

Ausschlaggebend war wohl eine Italien-Reise, wo Fanny mit anderen Künstlern zusammen trifft, die sie darin bestärken, sich mutiger der Musik zu widmen.

Erst kurz vor Lebensende fasste sie mit Hilfe eines neuen guten Freundes, des jungen Robert von Keudell, den Entschluss, einige Werke ohne die Erlaubnis ihres Bruders und entgegen dem Familiendogma zu veröffentlichen (Opus1–7). Diese bestehen zum großen Teil aus Klavierwerken, Liedern für das Pianoforte, einem Klaviergenre, das lange Zeit ausschließlich im Zusammenhang mit ihres Bruders Felix Mendelssohn Bartholdys Liedern ohne Worte betrachtet wurde.Neben ihren rund 250 Liedern mit Klavierbegleitung komponierte sie unausgesetzt Musik für ihr Instrument, das Klavier.

Würdigung:

Die musikwissenschaftliche Forschung hat sich seit den 1970er Jahren verstärkt Fanny Hensel zugewandt. Jedoch steht die vollständige Entdeckung, Bearbeitung, Interpretation und historisch-kritische Publikation ihrer Kompositionen und Schriften noch aus.

Im Jahre 1987 begann der Furore Verlag mit der Veröffentlichung ihrer Klavier- und Kammermusik und der Werke mit größerer Besetzung.

„Ohne Zweifel ist Fanny Hensel die bedeutendste Komponistin des 19. Jahrhunderts gewesen.“

(Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Bd. 16)

Neben Frauen wie Emilie Luise Friederika Mayer, Johanna Kinkel oder Luise Adolpha Le Beauteilt sie das Schicksal der Frauen in der Musikgeschichte, deren Bedeutung und Genialitätbis zum heutigen Tag zum großen Teil nur den Wenigsten bekannt sein dürfte.

Hier zum Schluss zwei Musikbeispiele aus ihren Werken:

Matthias Kirschnereit "Lieder ohne Worte" Fanny Hensel

Fanny Mendelssohn-Hensel - Gondellied

*****

Porträt der Fanny Hensel nach einem Ölgemälde des Malers Moritz Daniel Oppenheim aus dem Jahr 1842 (wikipdia.org)